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Konstanz liebenswert, Stadtrundgang auf andere Art

Wenn der Drache die Sonne verschlingt, kommt es zu einer Sonnenfinsternis: Alt-Konstanzer Haus "Zum Drachenkopf"
© Elvira Grübel, 2008

Astro Café, Altstadtteil Niederburg, Konzil, Kurtisane, Himmel auf Erden

Der Name Konstanz wurde abgeleitet von der Bezeichnung "Constantia", die die Römer um 350 n.Chr. ihrer befestigten Anlage auf dem heutigen Münsterhügel zu Ehren des römischen Kaisers Constantius II. verliehen hatten. Die ältesten Siedlungsspuren weisen jedoch bis in die jüngere Steinzeit zurück. Aus dem 1. Jh. v. Chr. sind Funde einer keltischen Siedlung bekannt.

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt zwischen dem 10. und dem 14. Jahrhundert. Im Schnittpunkt der Handelsstraßen nach Oberitalien, Frankreich und Osteuropa gelegen, avancierte sie zu einem wichtigen Handelsplatz. Während des Konzils von 1414 bis 1418 tagten Kirchenvertreter aus allen europäischen Ländern in der damaligen Bischofsstadt Konstanz. 1548 verlor die Stadt ihre Reichsfreiheit und wurde zu einer österreichischen Landstadt, bis sie 1806 mit dem Sieg Napoleons in das neu geschaffene Großherzogtum Baden eingegliedert wurde.

Ihrer Nähe zur Schweiz verdankt es die Stadt Konstanz, dass sie im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen verschont blieb. Der historische, unter Denkmalschutz stehende Altstadtteil "Niederburg" erinnert mit seinen engen Gassen und kleinen Ladengeschäften schon fast an südliche Gefilde. Mit seinen historischen Stätten wie dem Münster, einem Dominikanerinnenkloster, dem Stadttheater, vielen Weinkneipen und Straßencafes erfreut er sich sowohl bei Konstanzern als auch bei Touristen großer Beliebtheit.

Das Universum in Konstanz - die Tarot-Kunstgrenze

Die weltweit erste "Kunst-Grenze" markiert in Konstanz über eine Länge von 300 Meter den Verlauf der Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz und öffnet diese Grenze nicht nur ganz real, sondern auch symbolisch und abstrakt.

Die 22 Einzelskulpturen, die der 1941 in Konstanz geborene Künstler Johannes Dörflinger in abstrahierter Form als ornamentale Zeichen umsetzte, stellen die "Große Arkana" dar, die Trümpfe (archetypische "Stationen") des Tarot. Er hat damit ein Landschaftskunstwerk geschaffen, das dem Betrachter Anstöße geben und zum Assoziieren einladen soll, jedoch nichts festlegen möchte.

In der Planetenkonstellation am Tag der Eröffnung der Kunstgrenze (16. August 2006) findet sich in einer Saturn-Neptun-Opposition das Symbol der "offenen Grenze" wieder. Saturn, der traditionelle Hüter der Schwelle, wird mit dem visionär-kreativen Neptun konfrontiert - vielleicht gar von Neptun verführt, von den Musen geküsst - und vergisst seine strengen Prinzipien. Auflösung von überholten Strukturen. Der Maschendrahtzaun fällt. Und so wurde aus der Vision eines Künstlers Realität: Kunst öffnet Grenzen.

Pilgern auf Konstanzerisch: Der Schwabenweg

Vom Konstanzer Münster aus können Sie sich aufmachen auf den "camino", auch "Jakobsweg" genannt. Die Strecke von Konstanz bis Einsiedeln läuft unter der Bezeichnung "Schwabenweg". Dieser ist Teil des seit dem 12. Jahrhundert begangenen Jakobswegs und verbindet die deutsch- sprachigen Länder mit der französischen Route, dem "Chemin de St. Jacques". |

Das Haus "Zum Pilgerstab" in der Kreuzlinger Straße, eines der vielen Häuser in Konstanz, die noch alte Hausnamen tragen, zeugt noch heute von einer Pilgerstätte aus früherer Zeit. |||||||

Der Himmel auf Erden - in Konstanz

Als ich mich mit meiner Kamera auf den Weg mache, um die Sehenswürdigkeiten von Konstanz für mein Astro Café einzufangen, beginnt für mich eine ganz besondere Reise - eine neue Identifizierung mit der Stadt, in der ich schon seit mehr als 30 Jahren lebe. Es fällt mir plötzlich auf, dass viele Häuser in der denkmalgeschützten Altstadt Namen tragen, die sowohl mit den Gestirnen am Himmel als auch mit dem Tierkreis (Zodiak) in Verbindung gebracht werden können. Über das Internet werde ich fündig und entdecke eine Liste all der alten Konstanzer Hausnamen.

Mit ganz neuem Blick laufe ich, mit dieser Liste in der Hand, durch die Gassen von Konstanz. Auch wenn ich nicht zu jedem der 12 Tierkreiszeichen einen entsprechenden Hausnamen finde - manche Häuser sind bereits abgerissen, manche Fassaden leider modernisiert oder mit Firmennamen behangen -, so bin ich doch ganz stolz auf meinen Fund, der davon zeugt, dass das Wissen um die Astrologie im 14. und 15. Jahrhundert in Konstanz schon sehr populär war.

Es wäre natürlich spannend, nachzuforschen, ob diese Namen irgendeinen Bezug zu ihrem damaligen Besitzer hatten. Hausnamen wie "Zur vorderen Jungfrau" bzw. "Zur hinteren Jungfrau" könnten Anlass zu allerlei Spekulationen geben ... Auf der Suche nach einem "Stier" stoße ich zwar auf drei Häuser mit der Bezeichnung "Zum roten Ochsen" und sogar einen "Fliegenden Ochsen". Aber zufrieden stellen kann mich das nicht - ein Ochse ist nun mal kein Stier.

Kurz vor der Schweizer Grenze stoße ich sogar auf ein Haus mit dem Namen "Zum Drachenkopf" - eine in der chinesischen Astrologie übliche Bezeichnung des nördlichen Mondknotens, der bei einer Sonnenfinsternis immer in der Nähe des Neumonds steht. Als Drachenkopf wird er bezeichnet, weil nach der Vorstellung des Volkes ein Drache die Sonne auffrisst, was zur Verdunkelung führt. Schon vor mehreren tausend Jahren konnten Astrologen in China Sonnen- und Mondfinsternisse berechnen und vorhersagen, was ihnen am Hof des Kaisers eine machtvolle Position einbrachte. |||||||

Imperia - Denkmal für eine Kurtisane:

Die Hafen-Figur "Imperia" wurde inzwischen zu einem Konstanzer Wahrzeichen und beliebten Fotoobjekt der Passagiere an Bord der Bodenseeschiffe, die sich der Hafeneinfahrt nähern.

Einer gleichnamigen italienischen Edelkurtisane des 16. Jahrhunderts nachempfunden, hat Honoré de Balzac in seinem Roman "Tolldreiste Geschichten" die Figur der Imperia in die Zeit des Konzils (1414-1418) nach Konstanz verpflanzt und ihr damit ein literarisches Denkmal gesetzt.

Das Denkmal aus Beton zu Ehren der Imperia gestaltete der Bildhauer Peter Lenk. Mit der neun Meter hohen Statue ganz in der Nähe des Konzilgebäudes dürfte es sich zudem um das weltweit größte Denkmal für eine Kurtisane handeln. Auf ihren Händen trägt Imperia zwei Gaukler-Figuren, die sich die Insignien der weltlichen und geistlichen Macht - die Kaiserkrone und die Tiara des Papstes - aufs Haupt gestülpt haben. Sie erinnert damit satirisch an das Konzil von Konstanz. Der Kopfschmuck der Imperia deutet eine Narrenkappe mit Schellen an - neben der Rolle der Kurtisane nimmt sie auch die des Hofnarren ein, der das Spiel der Mächtigen durchschaut und auf die Schippe nimmt.

Der historische Hintergrund der "Konzilsprostituierten" ist keine Erfindung: Zur Zeit des Konzils lebten neben der Konstanzer Stadtbevölkerung, damals zwischen 5.000 und 7.000 Menschen, zeitweilig bis zu 30.000 Geistliche und Fürsten samt ihren Bediensteten, Kaufleute, Handwerker, Gastwirte usw. in der Stadt, darunter etwa 1.000 "achtbare Hübschlerinnen", die sich um das Wohlbefinden der weltlichen und geistlichen Elite Europas kümmerten.

Textquelle: Elvira Grübel, astrocafé-konstanz.de, Wikipedia, Elvira Grübel, astrocafe-konstanz.de, Wikipedia

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