Das zweigeschossige massive Doppelhaus über dem Grundriss von annähernd 34 x 29 m mit barockem Fachwerkturm zwischen den steilen Walmdächern ist eines der ältesten Rathäuser Deutschlands und zeugt von Selbstbewusstsein der Jenaer Bürgerschaft. Als Funktionsbau wurde das Rathaus den jeweiligen Aufgaben des Gemeinwesens seit dem Mittelalter angepasst.
Das heutige Gebäude entstand über den Resten mehrerer kleinerer Häuser und bezieht deren Keller und Teile eines größeren Vorgängerbaues mit ein. Die Hölzer der Dachstühle, deren Aufrichtung als Abschluss längerfristiger, mehrfach unterbrochener Baumaßnahmen gelten kann, sind dendrochronologisch auf die Jahre 1411 - 1413 datiert.
Das Erdgeschoss war ursprünglich als offene, vierschiffige Halle mit jeweils sieben kreuzgratgewölbten Jochen ausgebildet. Nachvollziehbar ist diese Gliederung sowohl an den teilweise vermauerten Spitzbögen als auch in der Traditionsgaststätte "Ratszeise". Ab 1377 boten unter den südlichen Arkaden zunächst die Fleischer und dann auch die Bäcker ihre Waren an. Noch bis 1857 sind die Fleischbänke nachweisbar. Im nördlichen Teil der Markthalle standen die städtischen Waagen.
Im Obergeschoss befindet sich die Rathausdiele mit einer Holzdecke und profilierten Unterzügen, datiert 1411. Sie wurden mehrfach farbig gefasst. Die heute sichtbare Ausmalung stammt erst aus dem frühen 20. Jh. Sie verarbeitet historischen Formenvorrat in gelungener Weise. In der Gebäudemitte verläuft nordsüdlich die durch Spitzbogenarkaden geöffnete Trennmauer, die ursprünglich die Hauptlasten der Dächer aufnahm. Trotzdem machten baustatische Probleme bereits um 1440 und erneut Mitte des 19. Jh. den Anbau von Strebepfeilern an der Südseite erforderlich.
Die Holzstützen in der Rathausdiele wurden an drei Stellen durch Steinpfeiler ersetzt - der älteste ist der um 1480 gearbeitete Nordostpfeiler, die anderen Pfeiler wurden um 1888 und 1948 angefertigt. Meist nachträglich wurden entlang der Außenmauern Räume abgetrennt. Hervorzuheben ist die restaurierte, historische Bürgermeisterstube mit der repräsentativen Tür von 1683. Diese Holzstube mit marmorierter Fassung dient seit 1968 als Trauzimmer.
Das bekannteste Ausstattungsstück des Jenaer Rathauses ist die Kunstuhr in dem achteckigen, mit geschwungener Haube, Laterne und Spitzhelm errichteten Turm. Ihre zentrale Figur ist der "Schnapphans". Die Büste aus bemaltem Eichenholz entstand um 1500 (Original im Stadtmuseum) und öffnete ursprünglich zu jedem Glockenschlag den Mund - ein bekanntes Motiv für Kunstuhren mit Figurenspiel an Rathäusern seit dem Mittelalter.
Mit der Verlegung des "Schnapphans" in den 1755 errichteten Turm erhielt der auch "Hans von Jhene"genannte Kopf seine heutigen Begleiter. Seitdem scheint er jede volle Stunde nach einer Kogel zu schnappen, die ihm ein Pilger hinhält, während ein Engel ein Glöckchen läutet.
1365 Ersterwähnung des Rathauses
um 1377 Baumaßnahmen unter Einbeziehung von Vorgängergebäuden, Erdgeschoss als vierschiffige Halle für Brot- und Fleischbänke sowie große und kleine Wange, Obergeschoss mit Bürgersaal, Ratsstube und Kapelle (gestiftet 1378)
um 1413 Fertigstellung der bis heute überkommenen Kubatur mit Grubendach aus zwei steilen Walmdächern
2. Hälfte 17. Jh. Neuausstattung Bürgermeisterstube
(heute Trauzimmer)
1755 Umfangreiche Reparatur, Errichtung des Turmes, Verlegung der spätgotischen Kunstuhr mit "Schnapphans" (als eines der sieben Wunder Jenas bezeichnet) vom Norddach unter die Turmhaube
um 1925 Farbfassung der Decke über der Ratsdiele
1995 - 1998 Sanierung und Restaurierung
Anatomieturm Collegium Jenense Erlangen Ernst-Abbe-Denkmal Friedenskirche Frommannsches Anwesen Goethe-Gedenkstätte im Botanischen Garten Griesbachsches Gartenhaus Hanfried-Denkmal Historisches Rathaus Historisches Universitätsgasthaus "Zur Rosen" Johannistor Optisches Museum Pfarrkirche St. Johannes Babtist Pulverturm Romantikerhaus Jena Stadtkirche St. Michael Stadtmuseum und Kunstsammlung der Stadt Jena Zeiss-Planetarium Jena