Groß und wuchtig nimmt das Rathaus fast die gesamte Nordseite des Marktplatzes ein. Mit seinen Dreiecksgiebeln und Portalen steht es im Schatten des St.-Petri-Doms. Am Fuße des Nordwestturms befinden sich die berühmten Bremer Stadtmusikanten.
Zwischen 1405 und 1410 wurde das Rathaus im gotischen Stil gebaut. Auf seine Grundfläche einigte man sich auf besondere Art: Alle stimmberechtigten Bremer stellten sich auf der Bürgerweide in einem Rechteck auf. Dieses hatte die Größe von 40 mal 13 Metern - die Abmessungen der Grundmauern standen somit fest
Da die Bremer sich als freie Bürger fühlten und den Erzbischof, der gleichzeitig Landesherr war, provozieren wollten, wählten sie den Standort direkt vor der bischöflichen Residenz.
Etwa 200 Jahre stand der große Backsteinbau mit den strengen gotischen Giebeln, bis Lüder von Bentheim ihn zwischen 1609 und 1613 im Stil der Weser-Renaissance veränderte. Dieser Baustil ist nur in Städten an der Weser zu finden. Typisch hierfür ist der große Mittelrisalit, ein Vorsprung mit eigenem Dach und hier fünfstöckigem Giebel.
Im Innern des doppelstöckigen Erkers befindet sich die Güldenkammer, der wohl vornehmste Raum im Rathaus. Er wurde wegen seiner vergoldeten Ledertapete aus dem Jahr 1620 so genannt. 1905 wurde der Raum vom Maler Heinrich Vogeler im Jugendstil neu gestaltet. Eine prunkvolle Wendeltreppe (1616) führt in den oberen Raum, der als Ratsarchiv diente und heute als Bühne für die Rathauskonzerte genutzt wird.
Die Fassade des Rathauses ähnelt einem riesigen aufgeschlagenen Bilderbuch. Mehr als 300 Symbole zieren den Bau. Ein Blick auf die Schmuckstreifen über den Arkadenbögen lohnt sich. Weltliche und geistliche Szenen wechseln sich mit solchen aus der griechischen Mythologie ab. Auch die Mauer oberhalb der Balkone - die einst Wehrgang waren - ist durch Reliefs und Figuren geschmückt. Der Figurenzyklus aus Kaisern, Kurfürsten und biblischen Gestalten ist jedoch ein Kopie. Die Originale werden im Focke-Museum ausgestellt.
Im Innern des alten Rathauses befinden sich zwei Hallen, die sich über die gesamte Länge des Gebäudes erstrecken. Der untere Saal ist die Volkshalle. Früher wurde dort gehandelt, die Steuern mussten entrichtet werden, und es wurden Urteile gefällt. Heute dient sie als Ausstellungsraum. Jeder kann sie für öffentliche Aktionen mieten, jedoch nicht für private Zwecke. Mit ihrem wuchtigen Eichenholzgebälk repräsentiert die dreischiffige Halle noch das Mittelalter.
Über eine Treppe gelangt der Besucher in den oberen Rathaussaal. Im Gegensatz zur unteren Halle bestimmt verschwenderischer Prunk von Renaissance und Barock das Bild. Prächtige Leuchter und Parkettboden schmücken den riesigen Saal. Früher wurde dort regiert, heute dient er der Repräsentation. Es werden Empfänge, Konzerte und große Essen abgehalten.
Die älteste Veranstaltung ist das Schaffermahl, das älteste noch gefeierte Brudermahl der Welt. Das Mahl geht auf das Jahr 1545 zurück und war ein Abschiedsessen für die Kapitäne. Jeden zweiten Freitag im Februar treffen sich dort 300 Männer: Geschäftsleute und ihre guten Kunden, Kapitäne und auch Politiker.
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