Zwischen 1909 und 1913 wurde das neue Rathaus am hinteren Teil des alten Gebäudes angebaut. Der Architekt Gabriel von Seidl hat den doppelt so großen Erweiterungsbau entworfen. Er hat das neue Gebäude im Neurenaissance-Stil harmonisch an das alte Rathaus von Lüder von Bentheim angefügt. Auf diesem Platz stand im Mittelalter die erzbischöfliche Residenz, die Anfang des 19. Jahrhunderts zum Stadthaus, dem Verwaltungsgebäude, umgebaut worden war.
Auch im Innern gelang von Seidl die Harmonie zwischen Alt und Neu. Im Festsaal sind beispielsweise die vier Haupttore Bremens (Ansgaritor, Braut, Hohetor und Zwinger) bildhaft als Symbole der wehrhaften Eigenständigkeit der Stadt dargestellt. Das Gobelinzimmer schließt genauso wie der Kaminsaal an den Festsaal an.
Das Gobelinzimmer hat von Seidl ursprünglich als Bürgermeisterzimmer vorgesehen. Der mit zwei wertvollen französischen Wandteppichen (Gobelins) geschmückte Raum ist jedoch ein kleiner Empfangs- und Beratungsraum geworden. Außerdem tragen sich berühmte Gäste dort in das Goldene Buch der Stadt ein. Die Teppiche gaben dem Zimmer seinen Namen.
Der Kaminsaal, der den Bremer Senatoren ebenfalls als Empfangsraum dient, hat seinen Namen von dem hohen, aus französischem Marmor bestehenden Kamin. Dieser sorgt zusammen mit dem schwarzbraunen Parkettboden, der dunkelroten Damasttapete und der weißen Stuckdecke für behagliche Atmosphäre. Die schweren Kristall-Leuchter an der Decke geben dem Raum ein besonderes Flair. Die Rückenlehnen der Stühle, die um mehrere runde Tische stehen, ziert der Bremer Schlüssel, das Wappen der Stadt.
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