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Event, Veranstaltung: 26.08.2010 - 05.09.2010

Jüdische Kulturtage

Synagoge Rykestraße - Jüdische Kulturtage
© Jüdische Kulturtage /Foto: H.G. Esch

Ohne Vergangenheit ist die Zukunft nicht denkbar. Kultur und Traditionen werden von Generation zu Generation überliefert und verändern sich dabei ständig. Künstler aus aller Welt zeigen in diesem Jahr, wie ihre Gegenwart aussieht, klingt und sich anfühlt.

Die Musik

Am 5. September 1910 schrieb Gustav Mahler die letzte Note an seiner 10. Symphonie. Genau 100 Jahre später erlebt diese letzte Symphonie Mahlers eine erneute Uraufführung. Der 23-jährige Dirigent und Komponist Yoel Gamzou stellt mit dem International Mahler Orchestra exklusiv für die Jüdischen Kulturtage seine Ausarbeitung und Rekonstruktion des Werkes vor. Gamzou ist von Mahlers Musik besessen seit er sieben ist. Mit sechzehn beginnt er an der 10. Symphonie zu arbeiten. Er ist fünfzehn, als er von Israel nach Amerika geht, um seine Dirigierstudien aufzunehmen. Vier Jahre später gründet Gamzou das International Mahler Orchestra und ist seitdem dessen künstlerischer Leiter. Er gewinnt den Förderpreis des Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerbs der Bamberger Symphoniker und arbeitet als Gastdirigent in Italien, Israel, England, Frankreich und den USA.

Den ersten Teil dieses Konzertes bestreitet der Pianist Elisha Abas mit Robert Schumanns Klavierkonzert in a-moll op. 54. Der 1971 geborene Abas ist schon als Kind ein Star. Elfjährig tritt er mit Leonard Bernstein in der Carnegie Hall auf. Mit Fünfzehn ist er so ausgebrannt, dass er seine junge Musikkarriere beendet. Er holt seinen Schulabschluss nach, studiert Jura, wird Profifußballer und schafft es bis in Israels erste Liga. Mit dreißig Jahren verabschiedet sich Abas aus dem Sport und beginnt erneut Klavier zu spielen. Vor wenigen Jahren gibt er sein zweites Debut in der Carnegie Hall und wird weltweit begeistert gefeiert. Der charismatische Nachfahre des legendären russischen Komponisten Alexander Scriabin tritt erstmals in Deutschland auf.

Ein ungewöhnliches Musikerlebnis unter freiem Himmel: Die Musiker des International Mahler Orchestra treffen sich wenige Tage vor dem großen Konzert in der Synagoge Rykestraße zu einer Jam Session in The Box at the Beach. Eine einmalige Gelegenheit, das diesjährige Orchestra in Residence der Jüdischen Kulturtage mit hochkarätigen Musikern aus den besten Orchestern der Welt in einem lockeren Ambiente am Strand zu erleben.

Synagogale Musik ist ein wesentlicher Bestandteil der G´ttesdienste in Synagogen aller religiösen Richtungen. Das gesungene Gebet steht dabei im Mittelpunkt dieser über die Jahrhunderte überlieferten Tradition. Zur feierlichen Eröffnung der Jüdischen Kulturtage lässt der RIAS Kammerchor in der größten Synagoge Deutschlands eine erlesene Auswahl synagogaler Musik der letzten Jahrhunderte erklingen.
Das erste Pop-Konzert des Festivals präsentiert drei junge Shootingstars aus Israel, die auch international auf Erfolgskurs gehen. In den USA, Kanada und Europa sorgen HaBanot Nechama (zu deutsch: die Trostmädchen) mit ihrem sinnlichen Folk-Soul-Reggae-Gemisch für Furore. Seit 2007 spenden sie einem weltweit immer größer werdenden Publikum Trost und Freude.

Die israelische Jazz-Sängerin Efrat Alony liebt die einfühlsame Verschmelzung von Pop, Rock und Jazz zu ungewöhnlichen Soundcollagen. Sie bekennt sich zu Einflüssen von Joni Mitchell bis Arvo Pärt, von Wayne Horvitz bis Radiohead. Das Publikum liebt an der Wahlberlinerin das Klangabenteuer – die Reise durch musikalische Welten. 2009 nahm Efrat Alony gemeinsam mit der hr Bigband „New Jewish Folk Songs“ auf, eine jazzorchestrale Vision jüdischer Folklore und schuf damit eine weitere faszinierende Facette im Alony-Klang-Universum.

In einer aufregenden Synthese von Jazz, osteuropäischer Folklore und Einflüssen der modernen Improvisationskunst entwirft der junge Musiker, Komponist und Bandleader Leon Gurvitch ein neues Bild des zeitgenössischen Jazz in Europa: Unterschiedliche Jazzrichtungen fusionieren mit Klezmer-Elementen, musikalischen Traditionen aus dem Balkan und Osteuropa, aus Lateinamerika und dem Orient zu einem globalen Kaleidoskop. Für das überaus erfolgreiche Programm „Klezmer meets Jazz“ konnte das Leon Gurvitch Project den berühmten Klezmer- und Jazz-Trompeter, Klezmatics-Gründungsmitglied und Grammy-Gewinner Frank London gewinnen.

Die junge Musikszene Israels ist vielfältig, bunt und agil. Zu Ihren absoluten Superstars zählt Rami Kleinstein. Gleichermaßen erfolgreich als Komponist und Performer ist er einer von Israels produktivsten Pop/Rock-Größen und wird im ganzen Land von Fans und Musikerkollegen verehrt. Wunderbare Love-Songs, sein geradezu zärtliches Klavierspiel sowie eine betörend sanfte und zugleich kraftvolle Stimme sind sein Markenzeichen und haben ihm Vergleiche mit internationalen Künstlern wie Elton John oder Billy Joel eingebracht.

Die große Chava Alberstein kommt nach Jahren endlich wieder nach Berlin! Sie singt auf Hebräisch und auf Jiddisch, ihrer Muttersprache. Albersteins Lieder sind ebenso vom Klezmer inspiriert wie von amerikanischem Folk oder französischem Chanson. In Israel gilt sie als eine der bedeutendsten Sängerinnen und Komponistinnen überhaupt. Unterhaltung allein ist ihr zu wenig. Sie ist die Joan Baez ihres Landes genannt worden, die Stimme seines Gewissens. Die Grande Dame des Folksongs in Israel verkörpert eine Mischung aus literarischem Chanson und lebenslangem Kampf für den Frieden.

Gesprochene Worte

Wie lebt es sich als Jude? Herr Kreisler? Herr Polak? Zwei Männer aus verschiedenen Generationen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: hier Georg Kreisler, der geistreiche Komponist der Anti-Idylle, dort Oliver Polak, der „Panda aus Papenburg“ im Kapuzenpullover. Beide geben gern den hintergründigen „Bürgerschreck“. Der eine seit Jahrzehnten – von provozierenden Liedern wie „Komm, lass uns Tauben vergiften im Park“ bis zur subtilen Zeitbeobachtung in Opernform. Der andere spielt das „Judenspiel“, bei dem das Publikum raten soll, welcher Promi Jude ist und welcher „normal“. Ihre Lebenswelten sind unterschiedlich, der Humor ist bei beiden tiefsinnig, frech und tabulos. Beide spielen mit Vorurteilen und provozieren gern. Man darf gespannt sein, was passiert, wenn sie bei unserem Podiumsgespräch aufeinander treffen. Beide freuen sich darauf – wir auch!

In seinem Buch „Anfänge“ fängt Georg Kreisler alles Mögliche an: einen Krimi, eine Biographie, eine Sexualkunde, einen Brief – kommt aber nicht weit. Kurz nach dem Anfang bricht er ab. Aller Anfang ist leicht, sagt er, Durchhalten schwer. Die Frage nach den Anfängen gerät so tiefsinnig wie komisch. Mit „Zufällig in San Francisco“ präsentieren Georg Kreisler und Barbara Peters zum ersten Mal Gedichte – Texte, die nicht vertont werden sollen! Die „unbeabsichtigten Gedichte“ sind trotzdem typisch Kreisler: Sie kommen leicht und beschwingt daher und verweisen doch auf Abgründe und Absonderlichkeiten.

Sie war Schauspielerin und Regisseurin, Jüdin und Emigrantin: Leontine Sagan. Ihre Memoiren Licht und Schatten liegen nun im Hentrich & Hentrich Verlag Berlin vor und werden von der Schauspielerin Sophie Rois gelesen, die selbst in Mädchen in Uniform auf der Bühne steht – das Stück, mit dem Sagan einst bekannt wurde.

Die Ausstellungen

Aliza Auerbach zeichnet das Schicksal Überlebender der Shoah fotografisch nach. In der Ausstellung Nitzolim – Überlebende zeigt sie Portraits von Geflohenen aus den verschiedenen Ländern Europas, die sich nach Israel retten konnten, werden von Fotos persönlicher Erinnerungsstücke begleitet. Ein gerahmtes Bild, ein kleiner Löffel, ein Brief, Dinge, die aus dem Familienbesitz gerettet werden konnten. Abschluss jeder Fotoserie bildet ein aktuelles Familienfoto, drei Personen oder auch 120 Mitglieder einer nach der Schoah gegründeten Familie.

Was waren die Gründe nach Deutschland zu gehen? Wie ankommen in Deutschland? Oder: weiterwandern? Das multimediale Kunstwerk One Room of Memories von Ruth Kuperman, Ola Lewin und Frank Blum ist eine Inszenierung zum Thema Heimat und heimatloses Wandern, die auf einer Reihe kollektiver Performances jüdischer Frauen basiert, die über ihre Erfahrungen berichten.

Feste feiern

Fernab von allen Klischees ist Jewdyssee musikalische „Yiddishkait“ – und die will nicht nur gelebt, sondern auch gefeiert werden! Jewdyssee, das sind Maya Saban und Walera Goodman, eine Deutsch-Israelin und ein Deutsch-Russe. Orient meets Occident, Balalaika meets Clubsound! Bereits vor den Türen der Konzert-Location sind die Vibes spürbar. Ein rhythmisches Summen schleicht sich von den Fußsohlen bis in die Fingerspitzen. Tür auf, der Beat ist laut, er reißt mit und bringt den Playa Paradiso zum Tanzen.

Wegen des großen Erfolges in den vergangenen Jahren, holen wir wieder den Shuk Ha’ Carmel in all seiner Vielfalt nach Berlin: Berauschender Duft von exotischen Gewürzen und frischem Brot, ein Meer von Farben soweit das Auge reicht und mitreißende Musik – der Shuk Ha’ Carmel ist der größte Markt in Tel Aviv. Hier wird mit Obst und Gemüse gehandelt, mit Kleidung, Kunst und Judaika. Hier wird gegessen und getrunken, hier trifft man Freunde und tauscht Neuigkeiten aus. Hier feiern wir ein rauschendes Fest, und alle sind herzlich eingeladen!

Offene Türen

In diesem Jahr findet die beliebte Lange Nacht der Synagogen erstmals in Zusammenarbeit mit der Langen Nacht der Museen statt. Berliner und ihre Gäste sind in der Langen Nacht der Synagogen eingeladen, das religiöse Leben in den Synagogen kennen zu lernen, an der Hawdala-Zeremonie zum Schabbat-Ausgang teilzunehmen und ein vielfältiges Programm zu entdecken. Bei Führungen, Konzerten oder Gesprächen mit Gemeindemitgliedern bieten sich interessante Gelegenheiten, einen tiefen Einblick in den jüdischen religiösen Alltag in Berlin zu gewinnen.

Außerdem laden die Berliner Synagogen wieder herzlich ein, an den Schabbat-G´ttesdiensten teilzunehmen.

Das Programm

Donnerstag | 26.8.2010
Synagoge Rykestraße
20.00 Uhr Eröffnungskonzert

Freitag | 27.8.2010
Schabbat-G´ttesdienste in den Berliner Synagogen

Samstag | 28.8.2010
ab 18.00 Uhr Lange Nacht der Synagogen
Synagoge Rykestraße
21.00 Uhr HaBanot Nechama

Sonntag | 29.8.2010
Centrum Judaicum
11.00 Uhr Vernissage Nitzolim – Überlebende
18.00 Uhr Vernissage One Room of Memories
Synagoge Rykestraße
20.00 Uhr Efrat Alony und die Bigband des Hessischen Rundfunk

Montag | 30.8.2010
Jüdisches Museum Berlin
19.00 Uhr Georg Kreisler und Oliver Polak im Gespräch

Dienstag | 31.8.2010
Synagoge Rykestraße
20.00 Uhr Georg Kreisler und Barbara Peters

Mittwoch | 1.9.2010
Synagoge Rykestraße
20.00 Uhr Leon Gurvitch Project feat. Frank London

Donnerstag | 2.9.2010
Synagoge Rykestraße
20.00 Uhr Rami Kleinstein & Band
Playa Paradiso
22.00 Uhr Jam Session International Mahler Orchestra

Freitag | 3.9.2010
Schabbat-G´ttesdienste in den Berliner Synagogen

Samstag | 4.9.2010
Synagoge Rykestraße
21.00 Uhr Chava Alberstein
The Box at The Beach
23.00 Uhr Jewdyssee & DJ The Amazing Neckbreaka

Sonntag | 5.9.2010
Centrum Judaicum
11.00 Uhr Sophie Rois liest Leontine Sagan
Vor dem Gemeindehaus Fasanenstraße
12.00–18.00 Uhr Shuk Ha’ Carmel in Berlin
Synagoge Rykestraße
20.00 Uhr Welturaufführung Yoel Gamzou / Gustav Mahler / 10. Symphonie
International Mahler Orchestra und Elisha Abas

Service

Tickets und Informationen

Zentrale Tickethotline 01805 . 57 00 00*
(*0,14 €/Minute , Mobilfunkpreise max. 0,42 €/Minute)

Vorverkaufsstellen
Tickets erhalten Sie in allen bekannten Vorverkaufsstellen
sowie in der Jüdischen Literaturhandlung Berlin |
Joachimstaler Straße 13 | 10719 Berlin | Tel. 030 . 882 42 50

Online-Bestellung** (** zzgl. 2,- Euro Buchungsgebühr je Karte)
www.juedische-kulturtage.org | www.eventim.de

Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Ermäßigte Eintrittspreise erhalten gegen Vorlage eines entsprechenden Nachweises Schüler, Studenten, Senioren, Arbeitslose, Schwerbehinderte und Sozialhilfeempfänger.

Erworbene Karten können nicht zurückgenommen werden.
Für versäumte Vorstellungen kann kein Ersatz geleistet werden.

Einlass
Wir bitten um frühzeitiges Erscheinen und Ihr Verständnis für besondere Sicherheitskontrollen, die etwas Zeit in Anspruch nehmen. Einlass nach Veranstaltungsbeginn ist nur dann möglich, wenn die Veranstaltung dadurch nicht gestört wird.

Veranstalter
Jüdische Gemeinde zu Berlin

Jüdische Kulturtage
Oranienburger Straße 28/30 | 10117 Berlin
fon 030 . 88 02 82 54 | fax 030 . 88 02 82 59
organisation@jg-berlin.org | www.juedische-kulturtage.org

Lala Süsskind – Vorsitzende
Martin Kranz – Intendant Jüdische Kulturtage
Dr. Hermann Simon – Künstlerischer Leiter Jüdische Kulturtage
Margarita Bardich – Kulturdezernentin

Festivalleitung kulturdienst: GmbH | www.kulturdienst.com
Gestaltung www.pfadfinder-gestaltung.de

Adresse und Kontaktinfos

Jüdische Kulturtage
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Rykestraße 53 10405 Berlin Homepage

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